Ich rief Claire an, bevor ich es mir ausreden konnte. Adrian hatte mich zwei Jahre lang davon überzeugt, dass sie eifersüchtig, dramatisch und zerstörerisch war. Doch als sie abnahm und meine Stimme knacken hörte, verschwendete sie keine Sekunde mit Fragen. Sie fuhr zu mir, sah mit mir die Papiere durch und wurde genauso blass wie Dr. Shah. „Naomi“, sagte sie ganz leise, „erinnerst du dich daran, dass Dads Anwalt dich gewarnt hat, nach der Hochzeit nicht zu schnell alles zusammenzulegen?“ Ich nickte. „Adrian hat dich gedrängt, es trotzdem zu tun.“ Ich blickte auf die auf dem Schreibtisch ausgebreiteten Seiten und gestand mir endlich die Wahrheit ein, die ich den ganzen Morgen über vermieden hatte. Mein Mann hatte mich nicht nur belogen. Er hatte mit mir gespielt.
An diesem Abend arrangierte Claire ein weiteres Treffen mit Dr. Shah, diesmal im Büro eines Familienanwalts, dem sie vertraute. Ich erwartete mehr Papierkram, vielleicht eine Strategie, vielleicht Ratschläge, wie ich mich in aller Ruhe zurückziehen könnte. Stattdessen stellte mir Dr. Shah eine Frau vor, die am Fenster saß und beide Hände um einen Pappbecher geschlungen hatte. Ihr Haar war kürzer als auf dem Foto, das ich gesehen hatte. Ihr Gesicht war hagerer. Aber die Augen waren dieselben. „Naomi“, sagte Dr. Shah, „das ist Rebecca.“