„Da sind Kratzspuren am Riegel“, flüsterte Yelena vor sich hin, während ihr Herz gegen die Rippen hämmerte. Die waren definitiv noch nicht da gewesen, als sie eingezogen war. Sie trat langsam aus dem Schrank zurück, griff nach ihrem Handy und wählte die Notrufnummer der Polizei, wobei ihre Stimme flacher klang, als sie sich tatsächlich fühlte.
„Ich glaube, jemand verschafft sich über eine Wartungsklappe Zugang zu meiner Wohnung“, sagte sie dem Telefonisten und versuchte, ruhig zu bleiben. Sie beschrieb die Kratzspuren aus der Nacht, das fehlende Essen und den aufgebrochenen Schrank. Der Beamte am Telefon war freundlich, aber gelassen. „Nun, Frau Yelena, da es keine Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen an Ihren eigentlichen Türen gibt, können wir keine Einsatzkräfte schicken. Wir werden aber bald jemanden zur Überprüfung der Wohnung vorbeischicken.“
„Bald?“, fragte Yelena mit brüchiger Stimme. „Ja, Frau Yelena, das ist das Beste, was wir tun können.“ Sie bedankte sich bei ihm und legte auf. Sie verbrachte den Abend mit eingeschalteten Lichtern, einem schweren Küchenstuhl unter den Türgriff des Schranks geklemmt, und redete sich ein, dass sie warten könne. Sie hielt es bis kurz nach ein Uhr morgens durch, bevor das Warten völlig unerträglich wurde.