Tief im roten Schlamm des Steinbruchs trat Detective Vance ein verrottetes Stück Holz beiseite und legte einen durchnässten, rosa Nylon-Schulrucksack frei. Darin befand sich ein feuchter Schülerausweis: Abigail Warren, 6 Jahre. Vance stellte sofort eine Verbindung zur Notrufnummer der Bezirksschulbehörde her. Fünf Minuten später knisterte es in seinem Funkgerät und eine panische Meldung kam herein: „Detective, dieses Kind wurde vor drei Tagen von einem Spielplatz entführt. Der Vater, Douglas Warren, reist unter einem Decknamen. Gegen ihn liegt eine gültige einstweilige Verfügung wegen eines schweren Vergehens vor, die nach einem gewalttätigen Sorgerechtsstreit erlassen wurde.“
Vance fluchte laut und wählte sofort Elenas direkte Durchwahl im Krankenhaus. Doch im St. Jude’s war die Falle bereits zugeschlagen. Douglas war zehn Minuten zuvor unter dem falschen Namen Douglas Ryan eingetroffen und hatte makellos gefälschte Sorgerechtserklärungen vorgelegt. Die Nachtdienstleiterin Connie ließ sich von seinem teuren Mantel und seiner einstudierten, tränenreichen Besorgnis völlig täuschen. Übergangen und ignoriert konnte Elena nur in stummem Entsetzen zusehen, wie Connie die Erlaubnis erteilte, das benommene, stark sedierte kleine Mädchen auf einem Rollbett zum Ausgang zu bringen.
Plötzlich wurde Elenas Telefon ihr hart ans Ohr gedrückt. „Elena, lass nicht zu, dass er sie mitnimmt!“, dröhnte Vances Stimme durch den Hörer. „Er ist ein Flüchtiger!“ Elenas Herz schoss ihr bis in die Kehle. Sie ließ das Telefon fallen und sprintete auf die Türen der Rettungswagenhalle zu, wobei ihre Turnschuhe laut über das Linoleum quietschten. Douglas hob das schlaffe Kind bereits auf den Beifahrersitz eines schwarzen Sedans.