Polizist verfolgt heimlich verlorenen Jungen, dann bricht er in Tränen aus, als er ihn sieht..

In der Abenddämmerung erreichte Leo eine Suppenküche am Güterweg, die Mahlzeiten servierte, ohne allzu viele Fragen zu stellen. Sean verweilte unter der Markise, während der Regen gegen die Metallrinnen über ihm klopfte. Leo ging für weniger als eine Minute hinein, dann kam er wieder heraus und sprach mit einem Freiwilligen in einem Plastikponcho. Sean konnte das ganze Gespräch wegen der vorbeidonnernden Lastwagen nicht hören, nur Bruchstücke: „Früher kam er vorbei“, „in letzter Zeit nicht“, „vielleicht am Fluss“ Der Freiwillige wies auf einen Wirtschaftsweg, der sich in Richtung des Industriegeländes schlängelte. Leo sah sich das Foto noch einmal an, schnallte seinen Rucksack fest und ging in diese Richtung.

Die Stadt veränderte sich danach schnell. Die Schaufenster wichen Maschendrahtzäunen, verrosteten Lagerhallen und schlammigen, von Pfützen übersäten Plätzen. Die Bürgersteige bekamen Risse. Die Straßenlaternen standen weiter auseinander. Zweimal verlor Sean Leo hinter geparkten Lastwagen aus den Augen und spürte, wie sich sein Magen zusammenzog, bevor er das Kind wieder entdeckte, immer in Bewegung, immer Gesichter abtastend. Am Ende eines Häuserblocks blieb Leo neben einem Münztelefon stehen, das niemand mehr benutzte, und studierte den Umschlag in seiner Hand, als wollte er daraus Mut ablesen. Sean konnte sehen, dass der Junge jetzt Angst hatte. Aber die Antwort, die er zu erhalten glaubte, war ihm wichtiger als seine Angst.