Julia blickte auf das Foto hinunter und spürte, wie der Boden unter ihr ins Wanken geriet. Die Frau auf dem Bild hatte dunkelblondes Haar, ein breites Lächeln und ein Gesicht, das Julia selbst hätte gehören können, als sie fünf Jahre jünger war. Die Ähnlichkeit war weder vage noch zufällig – sie war fast exakt, beunruhigend, die Art von Ähnlichkeit, wegen der Fremde einen auf der Straße anhalten, um einen darauf anzusprechen.
„Das ist meine Mutter“, sagte Tim noch einmal, jetzt leiser. „Chloe. Sie starb, als ich zehn war.“ Julias Mund war trocken geworden. Sie dachte an das Foto, das Mark ihr vor Monaten gezeigt hatte – eine ganz andere Frau, ähnlich gebaut, aber überhaupt nicht so wie diese hier. Sie dachte an die leeren Wände in Marks Haus, an die vagen Antworten, daran, wie sich sein Kiefer jedes Mal verkrampfte, wenn Chloe zur Sprache kam.
„Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte“, sagte Tim. „Ich dachte, du würdest mir nicht glauben. Ich dachte, du würdest glauben, ich hätte mir das ausgedacht, weil ich dich nicht in meiner Nähe haben wollte.“ Julia saß wie erstarrt auf seinem Bett, das Foto zitterte leicht in ihrer Hand, und monatelang aufgelaufene kleine, unerklärliche Dinge fügten sich mit erschreckender Klarheit zusammen. Sie stand wortlos auf und ging direkt zu ihrem Auto.