Clara schrieb Leo sofort eine Nachricht, und innerhalb weniger Minuten traf er sie auf der hinteren Veranda. Mit starken Taschenlampen und Gartengeräten zu ihrem Schutz bewaffnet, machten sich die beiden Nachbarn vorsichtig auf den Weg in den dunklen Garten und folgten dabei genau dem Pfad aus den Kameraaufnahmen.
Die hellen Lichtstrahlen durchdrangen den Mitternachtsnebel und fielen schließlich auf eine uralte, massive Eiche, der Clara bisher kaum Beachtung geschenkt hatte. An der Seite ihres dicken Stammes befand sich deutlich sichtbar eine groteske, geschwollene Beule, die locker die Größe eines Strandballs hatte. Und in diesem Moment erstarrten die beiden.
Ihnen wurde klar, dass das leise, melodische Pfeifen, das sie seit Tagen gehört hatten, direkt aus dem Inneren dieses Holzes herüberdrang. Als sie näher traten, bemerkten sie einen einzelnen, schweren Tropfen dunklen, zähen Harzes, der langsam aus einem hauchdünnen Riss in der Rinde sickerte. Er roch leicht süßlich, wirkte aber vor allem schwer, dickflüssig und intensiv, fast erstickend überwältigend.