Das Rätsel war zu schwer zu ertragen. Sarah wusste, dass sie nicht bis zum Wochenende warten oder so tun konnte, als hätte sie das Filmmaterial nicht gesehen. Am nächsten Tag nahm sie sich einen halben Tag frei und kam um 13:45 Uhr leise nach Hause. Sie ließ ihr Auto weiter unten in der Straße stehen, damit Elena ihre Ankunft nicht bemerkte, und schlüpfte durch die seitliche Garagentür ins Haus.
Oben im Flur wartete sie und zählte die Minuten herunter. Punkt 14:00 Uhr, pünktlich wie ein Uhrwerk, kam Elena die Treppe hinauf, betrat das Hauptschlafzimmer, ging in den begehbaren Kleiderschrank und schloss die Tür hinter sich.
Sarah wartete drei Minuten, um Elena Zeit zu geben, sich einzurichten. Dann, während ihr Herz gegen die Rippen hämmerte, ging Sarah zum begehbaren Kleiderschrank, drehte den Messinggriff und drückte die Tür auf. Elena saß auf der Ottomane, das Tagebuch lag offen auf ihrem Schoß, sie hielt den silbernen Rahmen fest umklammert, und frische Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie schnappte nach Luft und ließ vor lauter Entsetzen die Hände sinken.