Sekunden vergingen in der Live-Übertragung und wurden zu Minuten. Elena blieb völlig regungslos, ihr Blick war auf die handgeschriebenen Seiten des Tagebuchs geheftet. Was als Nächstes geschah, verwirrte Sarah völlig und ließ ihren Zorn augenblicklich in tiefe Verwirrung übergehen.
Elenas Schultern begannen heftig zu zittern. Langsam legte sie das Buch beiseite, stand auf und ging zu einem kleinen, silbergerahmten Foto von Sarahs Mutter, das auf einem seitlichen Regal stand. Sie nahm den Rahmen in die Hand und drückte ihn fest an ihre Brust, als hinge ihr Leben davon ab. Tränen begannen über ihr Gesicht zu strömen und reflektierten das schwache Licht des Schranks, während heftiges, atemloses Schluchzen ihren ganzen Körper erschütterte.
Sarah saß an ihrem Schreibtisch und war völlig fassungslos angesichts der unverfälschten Emotionen, die sich auf ihrem Bildschirm abspielten. Das war weder das Verhalten einer Diebin, die auf frischer Tat ertappt worden war, noch war es bloße Neugier. Es war Ausdruck eines tiefen, qualvollen Herzschmerzes. Sarah starrte auf ihr Handy, während ihre Gedanken in hundert verschiedene Richtungen rasten. Was stand auf diesen Seiten, das ihre Haushälterin so entsetzte, und was hatte ihre eigene Mutter damit zu tun?