Comics der 1990er Jahre (Nr. 9)
Anfang der 1990er Jahre erlebte die Comic-Branche eine massive Spekulationsblase, die durch aufwendige Marketing-Gimmicks angeheizt wurde. Verlage begannen, spezielle „Sammlerstücke“ mit glänzenden Hologramm-Umschlägen, Folienprägungen, gestanzten Illustrationen und groß angelegten Medienereignissen wie dem „Tod von Superman“ zu drucken. In der Überzeugung, dass diese Ausgaben ihnen irgendwann den Ruhestand finanzieren würden, strömten Fans und Spekulanten in die Comicläden, kauften häufig fünf bis zehn Exemplare einer einzelnen Ausgabe und versiegelten diese sofort ungelesen in Plastiktüten.
Dieses aggressive Horten führte direkt zum endgültigen Zusammenbruch des Marktes. Comics aus dem „Goldenen Zeitalter“ der 1930er und 1940er Jahre sind heute Millionen wert, weil Kinder sie ursprünglich gelesen, zerfleddert und weggeworfen haben, wodurch eine natürliche Knappheit entstand. Im krassen Gegensatz dazu gibt es heute Millionen von Comic-Heften aus den 1990er Jahren in absolut makellosem, ungelesenem Zustand. Da der Markt völlig mit Angebot überflutet ist und es fast keine Nachfrage gibt, findet man die überwiegende Mehrheit dieser Hefte aus den 90er Jahren in den 1-Dollar-Schnäppchenkisten der örtlichen Comicläden.