Nora fand den Entwurf von Edward Calloways Testament aus dem Jahr 1918, vergraben in einem obskuren juristischen Archiv. Es war ein Manifest der Reue in der Endphase seines Lebens. In dem Dokument erkannte Edward Eleanor ausdrücklich als seine leibliche Tochter an und gewährte ihr einen gleichberechtigten Anteil am Nachlass. Er war 1921 gestorben, in der festen Überzeugung, ihre Zukunft gesichert zu haben. Er hatte sich geirrt.
Die Unterlagen, die nach seinem Tod folgten, waren ein Lehrstück in kalkulierter Auslöschung. Innerhalb weniger Wochen hatten Edwards Frau Frances und Margarets Ehemann mit rücksichtsloser Effizienz gehandelt. Sie fochten nicht nur das Testament an, sondern beseitigten systematisch alle Beweise für Eleanors Existenz. Mit Hilfe des Familienanwalts ließen sie die Vaterschaftsklausel streichen und behaupteten, diese beziehe sich auf eine „nicht existierende Person“.
Eleanor wurde noch im selben Jahr mit einem Mann namens Ellison verheiratet – eine günstige Regelung, um sie aus dem Haus und in die Vergessenheit zu verbannen. Die Türen der Calloways fielen ins Schloss und schlossen Eleanor von ihrem eigenen Erbe und ihrer eigenen Geschichte aus. Nora las die Gerichtsakten, die kalte, sachliche Sprache der Anwälte, die versuchten, einen Menschen per Gesetz aus der Existenz zu streichen. Es war systematisch, herzlos und vollkommen erfolgreich. Bis jetzt, so wurde ihr klar, war dies das letzte Wort gewesen.