In einer Höhe von 35.000 Fuß war die First-Class-Kabine der Boeing 777 eine Oase aus sanftem Licht und gedämpften Gesprächen. Leo stand ruhig im Gang, die Hände tief in den Taschen seines verblassten grauen Kapuzenpullovers vergraben, und schien sich nicht daran zu stören, dass einige Passagiere die Szene beobachteten. Sein Blick war direkt auf die Suite 1A gerichtet – eine private Luxuskabine mit einer verschiebbaren Tür für mehr Privatsphäre und einem motorisierten Liegesitz –, in der sich derzeit zwei Personen befanden, die definitiv nicht er waren.
In seiner zugewiesenen Suite saßen Julian und Beatrice, wie sie sich vorgestellt hatten, und strahlten eine Aura der Ruhe und wohlhabenden Unschuld aus. Sie hatten eine kalkulierte, als Waffe eingesetzte Höflichkeit an den Tag gelegt, die sie vernünftig – ja sogar hilflos – erscheinen ließ. Sie hatten es sich bereits vollkommen gemütlich gemacht, sich das kostenlose Sprudelwasser eingeschenkt und blickten Leo mit sanftem, entschuldigendem Lächeln an, das ihre Augen jedoch nicht ganz erreichte.
Julian blickte Leo mit einem geschmeidigen, einstudierten Ausdruck der Besorgnis an. „Sir, wie wir bereits erklärt haben – diese Kabine verfügt über zwei separate Sitzbereiche, und wir besitzen ohnehin gültige First-Class-Tickets. Es ist weitaus praktischer, wenn sich ein Paar diesen Raum teilt, und wir sind sicher, dass die Besatzung Ihnen gerne einen anderen Platz zuweisen wird.“ Beatrice nickte lieblich und rückte ihren luxuriösen Schal zurecht. Leo wusste, dass eine Zwangsräumung in diesem Moment nur eine riesige Szene verursachen und den Abflug verzögern würde. Er lächelte vor sich hin in stiller Vorfreude und erkannte, dass es an der Zeit war, ihnen einen Vorgeschmack auf ihre eigene Medizin zu geben …