In der Küche herrschte Stille, bis auf das rhythmische Ticken einer Wanduhr. Nora breitete die Unterlagen aus – das Testament, die Korrespondenz, die Beweise für die Vertuschung durch die Kanzlei. Ruth hörte zu, ihr Gesicht war blass, ihre Hände umklammerten das Medaillon fest.
Als die Stille sich in die Länge zog, blickte Ruth wieder auf das Foto, auf das Mädchen, das so verängstigt, so erstarrt und so fest von ihrer Schwester umklammert gewesen war. „Also hat ihr eigener Vater versucht, ihr einen Namen zu geben“, sagte Ruth mit kaum mehr als einem Flüstern. „Und auch das haben sie ihr genommen. Sie wollten, dass sie ein Niemand ist.“
Nora hatte keine Antwort darauf. Es war kein Trost, dass eine Frau ihr Leben lang das Gefühl gehabt hatte, ein Geheimnis zu sein. Doch als sie sah, wie Ruth das Medaillon in den Händen hielt, wurde ihr klar, dass der Versuch, sie auszulöschen, gescheitert war. Sie hatten es geschafft, das Geld, das Land und die gesellschaftliche Stellung zu stehlen, aber sie hatten es nicht geschafft, die Identität zu stehlen. Das Medaillon hatte seine Aufgabe erfüllt. Es war ein stiller Zeuge geblieben, der endlich jemanden gefunden hatte, der seiner Geschichte zuhörte. Das Mädchen auf dem Foto war nicht länger eine „zweite Person“. Sie war Eleanor.