Der Morgennebel im Chitwan-Nationalpark steigt nicht auf; er kriecht direkt aus der Erde. Um 5:00 Uhr morgens ist das subtropische Blätterdach im Süden Nepals ein erstickender grauer Schleier, schwer mit dem Geruch von feuchtem Lehm und dem scharfen, metallischen Geruch des Morgentaus. Versteckt in einem zusammenklappbaren Bodenrollo – einem kleinen, aufklappbaren Tarnzelt, das Menschen vor wilden Tieren verstecken soll – sitzt Paul Deen. Als erfahrener Wildtierfotograf, der die letzten fünf Jahre damit verbracht hatte, die schwer fassbare Tierwelt Südasiens zu dokumentieren, waren Deen Unannehmlichkeiten nicht fremd. An diesem Morgen waren seine Knie schon seit drei Stunden blockiert, seine Finger waren taub um den gummierten Griff seiner Kamera.
Sein massives 600-mm-Objektiv ragte durch einen schmalen Schlitz im Tarnnetz und war stur auf eine sechzig Meter entfernte Lichtung gerichtet, auf der ein Paar der seltenen Großen Nashornvögel häufig auf Nahrungssuche war. In Deens Metier ist Stille die einzige Währung. Sich zu bewegen bedeutet, bankrott zu gehen. Wenn ein Fotograf ein Geräusch macht, vergisst der Dschungel, dass er jemals da war, und verstummt. Aber an diesem Morgen war die Stille, die sich über den Wald legte, nicht normal. Sie war erschreckend.