Kira stand am Zaun, mit stolzgeschwellter Brust, bereit, wieder anzugreifen. Aber Samuel rannte nicht. Überwältigt von einer plötzlichen Welle der Trauer und des Bedauerns ließ er sich einfach auf die Knie fallen, schloss die Augen und begann in seinem typischen tiefen, rhythmischen, monotonen Ton zu sprechen – genau die Stimmfrequenz, mit der er vor fünf Jahren ihre Mutter gerettet hatte. Sofort erstarrte Kira auf halbem Weg. Ihre Ohren zuckten nach vorne, und die wilde Feindseligkeit verschwand vollständig aus ihren stechend blauen Augen.
Sie neigte den Kopf und sah ihn mit tiefer, gebannter Neugierde an, völlig beruhigt durch das Geräusch. Samuel blickte hinter sich. Die neuen Betreuer, die sich in der Gasse versammelt hatten, waren völlig schockiert über die plötzliche Nachgiebigkeit. Nur Sarah lächelte und hielt ihre Tränen zurück. „Wenn die Tage hart waren und sie die Kontrolle verlor“, erklärte Sarah leise, „habe ich ihr in der Höhle immer laut deine alten Trainingsvideos vorgespielt, um sie zu beruhigen. Sie kennt deine Stimme, Samuel. Sie hat dir ihr ganzes Leben lang zugehört.“ Samuel sah Kira in die Augen und drückte seine Handfläche gegen das Drahtgitter. „Jetzt habe ich dich“, flüsterte er. „Ich werde nie wieder weggehen.“