Der Zoo hat nicht gefeiert. Noch nicht. Hinter den Kulissen wurde die Ehrfurcht durch Dringlichkeit ersetzt. „Wir können ihn nicht dort lassen“, sagte jemand. Arjun reagierte nicht sofort. Seine Augen waren immer noch auf das Gehege gerichtet. Drinnen hatte sich die Löwin nicht weit bewegt. Milo blieb dicht bei ihr, an sie geschmiegt, als hätte es das Chaos von vorhin nie gegeben.
„Sie lässt uns nicht an ihn heran“, fügte ein anderer Pfleger hinzu. „Das hast du gesehen.“ Arjun hatte es. Sogar jetzt, wenn einer der anderen Löwen ein wenig zu nahe kam, schob sich die Löwin sofort zwischen sie und Milo, ohne zu zögern. Beschützend. Bedächtig. Unnachgiebig. „Wir versuchen es in der Abenddämmerung“, sagte der Tierarzt. „Weniger Aktivität. Bessere Chancen.“
„Und wenn sie angreift?“, fragte jemand leise. Keiner antwortete. Arjun blickte schließlich von dem Gehege weg. „Es gibt einen Grund“, sagte er. Sie drehten sich zu ihm um. Er atmete langsam aus. „Sie hat letzten Monat ihre Jungen verloren.“ Schweigen legte sich über die Gruppe. Im Inneren des Geheges senkte die Löwin wieder den Kopf und stupste Milo sanft näher an.
Nicht als Beute. Nicht als Besitz. Sondern als etwas, das sie bereits beschlossen hatte – sie wollte nicht noch einmal verlieren.