Vier Tage nach der heimlichen Installation erregte das entscheidende Filmmaterial seine Aufmerksamkeit. Eine Bewegungsmeldung erschien auf seinem Handy, während er an seinem Schreibtisch saß. Fast hätte er sie als vorbeifliegenden Vogel abgetan, doch ein plötzlicher Impuls trieb ihn dazu, den Live-Feed zu öffnen. „Mal sehen, was da los ist“, murmelte er und tippte auf den Bildschirm.
Renata stand an der Küchentheke mit einer frischen, in Alufolie eingewickelten Schale aus Dianes Küche. Sie zog die silberne Folie ab, starrte einen langen, unlesbaren Moment lang auf das Essen hinunter und schüttete dann alles in einen Müllsack. Sie band ihn fest zu, ging zur Hintertür hinaus und vergrub ihn tief in der Mülltonne. Bevor sie wieder ins Haus ging, hielt sie inne und blickte direkt auf das Haus.
David saß eine Stunde lang wie erstarrt an seinem Schreibtisch. Er hätte es verstanden, wenn das Essen verdorben oder verschüttet worden wäre und Renata ihm später davon erzählt hätte. Aber ihre Handlung hatte etwas sehr Geheimnisvolles an sich. Eine Essstörung passte nicht zu der ruhigen, bedächtigen Art, mit der sie die Mahlzeiten entsorgte. Er spielte den Clip ein drittes Mal ab und betete, dass es sich um ein Missverständnis handelte, doch die Realität blieb unverändert.