Ein paar Wochen nach der zweiten Fehlgeburt begann Diane, jede Woche ganz von sich aus selbstgekochte Mahlzeiten vorbeizubringen. Sie brachte herzhafte Aufläufe, Suppen und ihre berühmte Lasagne mit. „Ihr beide arbeitet viel zu hart, um euch richtig zu ernähren“, beharrte Diane und reichte ihm die schweren Schüsseln. Renata bedankte sich jedes Mal herzlich bei ihr und schenkte ihr ein höfliches Lächeln, das jedoch nie bis in ihre Augen reichte.
David fiel bald auf, dass die großen Behälter bemerkenswert schnell leer wurden. Eines Abends trug er die schwere Mülltonne nach draußen an den Straßenrand und bemerkte ganz unten ein seltsames, in Plastikfolie eingewickeltes Bündel. Er riss es auf und fand darin den typischen Thunfischauflauf seiner Mutter, völlig unberührt. „Das ergibt überhaupt keinen Sinn“, murmelte er und starrte auf das weggeworfene Essen.
Er behielt den Fund für sich und erfand logische Ausreden wie verdorbene Zutaten oder ein versehentliches Verschütten. Vielleicht hatte Elena etwas verschüttet und es weggeworfen, um nicht wegen ihrer Unfähigkeit erwischt zu werden. Doch das Rätsel ließ ihm keine Ruhe, bis er heimlich eine kleine Kamera im Internet bestellte. Er montierte sie unauffällig über der Hintertür, so positioniert, dass sie das Küchenfenster überblickte. Er redete sich ein, es diene lediglich der Sicherheit seines Zuhauses, und weigerte sich, seine wahren, misstrauischen Motive zu hinterfragen.