Das Gewicht der Anschuldigung traf sie schließlich. Evelyn Marrow war nicht nur eine Frau, die ihre Handtasche verloren hatte; sie war eine einflussreiche Frau, die weniger als eine Stunde vor Lenas Eintreffen einen Diebstahl gemeldet hatte. Evelyn behauptete, dass sie das Geld für eine private Transaktion abgehoben hatte und dass jemand im Park an ihr vorbeigelaufen war.
„Ich habe keinen Penny genommen“, flüsterte Lena, den Kopf in den Händen. „Es gab kein Bargeld.“ Harlan schob ein Foto über den Tisch – es war der Abhebungsbeleg von der Bank. „Das Geld existiert, Lena. Es ist weg, und du bist diejenige, die die Tasche trägt. Buchstäblich.“ Er beobachtete sie für eine Reaktion, seine Augen suchten nach einer Lücke in ihrer Geschichte. Für ihn war die Geschichte perfekt: Die verzweifelte Arbeitssuchende findet einen Glücksfall und versucht, den Helden zu spielen, um den Verdacht von sich abzulenken.
Zum ersten Mal spürte Lena die erschreckende Realität des Rechtssystems. Es ging nicht um die Wahrheit, es ging um die glaubwürdigste Geschichte. Und ihr Leben – unbezahlte Rechnungen, das gescheiterte Vorstellungsgespräch, der einsame Spaziergang im Park – war das perfekte Drehbuch für ein Verbrechen. „Sie lügt“, sagte Lena, und ihre Stimme zitterte vor plötzlicher, scharfer Wut. „Oder wenn da Geld drin war, hat es jemand anderes genommen, bevor ich da war.“