Lena stand an der Rezeption und klopfte mit den Fingern auf das kühle, dunkle Leder der Handtasche. Sie erwartete ein Lächeln, vielleicht ein „Dankeschön“ für ihre Bürgerpflicht. „Das habe ich im Haldenpark gefunden“, sagte sie, und ihre Stimme hallte in der sterilen Lobby wider. „Auf einer Bank.“ Der Beamte hinter dem Glas lächelte nicht, sondern zog sich lediglich ein Paar blaue Latexhandschuhe mit einem scharfen Schnapper an.
Er öffnete den goldenen Verschluss, seine Augen huschten zwischen dem Ausweis und Lenas Gesicht hin und her. „Wo genau?“, fragte er, wobei sein Tonfall um eine Oktave sank. Lenas Stolz flackerte auf. „Auf der Bank neben dem Springbrunnen. Stimmt etwas nicht?“ Er antwortete nicht. Er kippte die Tasche, schaute in das leere Samtfutter und blickte dann auf den Computerbildschirm. „Warten Sie hier, Ms. Thorne. Gehen Sie nicht weg.“
Die Stille, die folgte, war schwer vom Geruch von Bohnerwachs und altem Kaffee. Zwei Beamte traten aus einer Seitentür, ihre Schritte waren schwer. Der eine schnappte sich die Handtasche und verschloss sie in einer durchsichtigen Plastiktüte, als wäre sie ein biologisches Risiko. Der andere, ein stämmiger Mann mit gestutztem Schnurrbart, forderte Lena mit einer Geste auf, sich zu erheben. „Hände hinter den Rücken.“ Lena lachte, ein kurzes, nervöses Lachen. „Sie machen Witze, oder?“ Der kalte Biss der Handschellen war seine einzige Antwort.