Der Bus fuhr in Richtung Osten, weg von Schulen, Wohnblocks und den Vierteln, in denen ein Kind nach Hause gehen sollte. Sean beobachtete jede Haltestelle genau, nur für den Fall, dass Leo aussteigen würde. Als Leo schließlich ausstieg, befand er sich in einem älteren Teil der Stadt, in der Nähe von Pfandhäusern, geschlossenen Werkstätten und Gebäuden mit abblätternder Farbe. Sean parkte um die Ecke und folgte ihm zu Fuß. Leo überprüfte immer wieder den gefalteten Umschlag in seiner Hand und schaute dann zu den Straßenschildern hinauf, das Gesicht vor Konzentration angespannt. Er versuchte, erwachsen zu wirken, aber alle paar Sekunden blickte er sich um, als würde er sich plötzlich daran erinnern, wie groß die Stadt war.
In einem Feinkostladen an der Ecke kaufte Leo mit einer Handvoll Münzen eine Flasche Wasser. Er nahm nicht einmal Wechselgeld, sondern schnappte sich einfach die Flasche und eilte wieder nach draußen. Ein paar Häuser weiter hielt er einen älteren Mann an, der vor einem verschlossenen Haushaltswarengeschäft kehrte und ein abgenutztes Foto hochhielt. Sean trat näher heran und hörte, wie der Junge fragte: „Kennen Sie ihn?“ Der Mann blinzelte auf das Bild und schüttelte den Kopf. Leo bedankte sich bei ihm und ging weiter. Im nächsten Laden fragte er erneut. Dann in einem Waschsalon. Dann vor einer Autowerkstatt. Dasselbe Foto, dieselbe Frage, und jedes Mal klang er ein wenig hoffnungsvoller und ein wenig ängstlicher. Sean hätte sich leicht einmischen können, aber er folgte ihm einfach stillschweigend.