Alles begann mit einem einzigen, äußerst populären Internetvideo. Eine berühmte Lifestyle-Influencerin, die sich auf einem Roadtrip an der Küste verirrt hatte, stieß auf Whispering Cove und filmte eine stilisierte Sonnenuntergangs-Montage an den kommerziellen Docks. Sie nannte den düsteren, authentischen Hafen romantisch „Fishercore“ und lobte die rostigen Boote und das verwitterte Holz als die ultimative raue Ästhetik.
Das virale Video wurde über Nacht millionenfach aufgerufen, und innerhalb weniger Tage wurde der abgelegene Hafen komplett umgestaltet. Ein massiver, koordinierter Zustrom von glänzenden Luxusjachten, teuren Schnellbooten und gecharterten Katamaranen strömte in den flachen, kommerziellen Jachthafen. Sie waren nicht zum Fischen da, sondern um rücksichtslos nach der perfekten Social-Media-Kulisse zu suchen.
Die makellosen weißen Fiberglasrümpfe und dunkel getönten Fenster der eindringenden Schiffe nahmen direkt neben Arthurs bescheidenem Skiff unverschämt viel Platz ein. Arthur beobachtete das Geschehen schweigend vom feuchten Deck seines Bootes aus und wischte sich das dicke Fett von seinen schwieligen Händen.
Er ging davon aus, dass die lauten, wohlhabenden Inhaltsschöpfer das düstere Arbeitsdock schnell satt haben würden und abreisen würden. Damit lag er völlig falsch, und zwar verheerend.