Drei Wochen nach Beginn seines neuen Lebens traf Daniel Marcus in der Abholschlange vor der Grundschule. Sie erkannten sofort denselben Ausdruck in den Augen des anderen – die tiefe Erschöpfung eines Elternteils, das ganz allein den Überblick über die Anzahl der Kinder behalten muss. Marcus hatte zwei Kinder, Daniel hingegen fünf, aber Marcus lachte und meinte, die Rechnung sei identisch. „Man zählt jetzt einfach endlos Köpfe. Zahlen ändern nichts am Stress.“
Sie fingen an, sich jeden Nachmittag am Maschendrahtzaun zu unterhalten. Sie sprachen über ganz normale Dinge: das Koordinieren von Arbeitsschichten, kurze Schlangen an der Kasse und das Überleben als Alleinerziehender. „Wenn du mal in letzter Minute jemanden brauchst, der ein Kind abholt, ruf mich an“, sagte Marcus eines Tages und kritzelte seine Nummer auf einen Zettel. „Ich meine es ernst.“
Daniel steckte den Zettel in seine Tasche. Aus diesem kleinen Austausch entwickelte sich ein Unterstützungsnetzwerk aus Eltern aus der Nachbarschaft, die sich bei der Kinderbetreuung und beim Essen abwechselten. Dank der zuverlässigen Hilfe aus der Nachbarschaft konnte sich Daniel endlich auf seine Karriere als Systemingenieur konzentrieren. Er erhielt eine bedeutende Beförderung in seinem Unternehmen, was seiner Familie die lang ersehnte finanzielle Sicherheit brachte.