Als Louise Sutherland zum ersten Mal den zerzausten Golden Retriever entdeckte, der am Rande ihres Grundstücks in Schottland herumlungerte, brach es ihr das Herz. Das arme Tier war offensichtlich ein Streuner – hungrig, voller Angst vor Menschen und mit Schlamm bedeckt. Es dauerte Tage geduldigen Zureden, doch schließlich gewannen Louise und ihre 25-jährige Tochter Claire das Vertrauen der Hündin. Sie nahmen sie bei sich auf, nannten sie Rio und versprachen ihr, dass sie sich nie wieder selbst durchschlagen müsse.
Sie dachten, der schwierigste Teil der Rettung läge hinter ihnen. Sie verwöhnten Rio mit Premiumfutter, weichen Decken und endloser Zuneigung und gingen fest davon aus, dass sie ihren energiegeladenen, verspielten Geist wiedererlangen würde. Doch im Laufe der Wochen blieb Rio beunruhigend inaktiv. Sie weigerte sich zu spielen, rührte ihr Trockenfutter kaum an und starrte stundenlang völlig erschöpft ausdruckslos die Wand an. Aus Angst, dass ihre geliebte Findelhundin an einer schweren, verborgenen Krankheit litt, die sie sich auf der Straße zugezogen hatte, oder aufgrund früherer Vernachlässigung an Organversagen litt, rief eine in Panik geratene Louise schließlich den Tierarzt an und bat um einen Notfall-Hausbesuch.