Zurück im sicheren Arbeitszimmer riss Clara schließlich den Umschlag auf. Der Brief darin war auf schwerem, vergilbtem Briefpapier geschrieben. Marks Stimme war schlicht und ohne jede Dramatik. Er schrieb, dass der Tunnel schon existierte, bevor das Haus überhaupt gebaut wurde. Sein Vater hatte den alten Gang entdeckt und das Haus extra so gebaut, dass der Eingang nicht sichtbar war.
Er beschrieb die Kriegsjahre mit einem erschreckenden Mangel an Beschönigung. Der Tunnel war eine Lebensader, eine geheime Arterie, die genutzt wurde, um Menschen durch den Berg zu bringen, wenn die Pässe von Soldaten bewacht wurden. Die seltsamen, außenliegenden Riegel an den Türen dienten der Sicherheit – sie sollten verhindern, dass die Flüchtlinge versehentlich ins Licht liefen und die Patrouillen alarmierten.
„Ich habe nur ein Versprechen gehalten“, schloss der Brief. Mark erklärte, dass er der Letzte in der Reihe sei und die Verantwortung nun bei ihr liege. Er verlangte nicht, dass sie das Schweigen fortsetzte. Er nannte ihr den Namen einer Archiveinrichtung in der Stadt. „Sie können tun, was Sie wollen“, schrieb er. „Der Berg hat sein Geheimnis lange genug gehütet.“