Während eines Großteils der modernen japanischen Geschichte waren Hocktoiletten überhaupt nicht ungewöhnlich. Tatsächlich waren bis in die 1960er Jahre hinein traditionelle Hocktoiletten häufiger anzutreffen, und erst danach verbreiteten sich Toiletten nach westlichem Vorbild allmählich. Einen großen Schub gab es, als man im öffentlichen Wohnungsbau mit der Installation von Sitztoiletten begann und diese für den täglichen Gebrauch normalisierte. Was heute altmodisch wirkt, war früher einfach der Standard. Die „nach vorne gerichtete“ Haltung war keine Kuriosität. Sie war einfach die Art und Weise, wie viele Menschen die Toilette benutzten.
Dann änderte sich Japan schnell. Die Toilettenhersteller führten in größerem Umfang sitzende Modelle ein, und später wurde das Land weltweit für elektronische Bidet-Toiletten bekannt. Die Produktion von Toiletten im westlichen und japanischen Stil war 1976 ungefähr gleich groß, aber danach stieg die Produktion im westlichen Stil schnell an. Im Jahr 2015 machten Hocktoiletten nur noch 1 % aller von Toto, einem der größten japanischen Hersteller, produzierten Toiletten aus.
Schulen zeigen, wie sich diese Überschneidung von alt und neu in der Praxis auswirkt. Eine Umfrage des Bildungsministeriums aus dem Jahr 2016 ergab, dass rund 60 % der Toiletten in öffentlichen Grund- und Mittelschulen immer noch japanisch sind. Dieser Anteil ist jedoch im Laufe der Zeit stark zurückgegangen. Mit anderen Worten: Traditionelle Toiletten gibt es immer noch, aber ihr Platz im täglichen Leben schrumpft.
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