Wenn Sie schon einmal gehört haben, dass Japaner „mit dem Gesicht nach vorne auf der Toilette sitzen“, sind Sie nicht allein. Es ist eines dieser Reisemythen, die zu seltsam klingen, um nicht wahr zu sein. Aber die wahre Antwort ist viel einfacher. Die Idee stammt hauptsächlich von den traditionellen japanischen Hocktoiletten, nicht von den modernen Sitztoiletten, die die meisten Japaner heute benutzen. Diese älteren Toiletten werden mit Blick auf die erhöhte Vorderseite benutzt, was von außen den Anschein erwecken kann, als würde man die Toilette „falsch herum“ benutzen
Japan ist heute weit mehr für seine Toiletten im westlichen Stil mit Bidetfunktionen, beheizten Sitzen und ausgeklügelten Bedienelementen bekannt als für Hocktoiletten. Traditionelle Hocktoiletten gibt es zwar immer noch an einigen älteren Orten, z. B. in älteren Bahnhöfen und Bars, aber sie sind viel weniger verbreitet als früher. Mit anderen Worten: Das Bild überlebt länger in Reiseberichten als im japanischen Alltag.
Die bessere Frage lautet also nicht: „Warum sitzen die Japaner mit dem Gesicht nach vorne?“ Sondern: „Warum wurden ältere japanische Toiletten so gebaut, dass sie auf diese Weise benutzt werden können?“ Sobald man das verstanden hat, verschwindet das Rätsel. Was für Außenstehende ungewöhnlich aussieht, ist in Wirklichkeit nur eine praktische Art, eine Toilette zu benutzen, die für das Hocken statt für das Sitzen gebaut wurde. Und wenn man dieses alte Design neben die moderne Toilettenkultur Japans stellt, wird die Geschichte noch interessanter: Es geht darum, wie ein Land von der Tradition zur Innovation überging, ohne die Vergangenheit völlig auszulöschen.