Der verborgene Schuldige
„Ich habe es gefunden“, sagte Dr. Aris mit atemloser Stimme vor Aufregung. Er griff nach einer Pinzette mit feiner Spitze. Sarah beugte sich vor und ihre Augen weiteten sich, als der Arzt vorsichtig ein winziges, geschwollenes Lebewesen aus Max‘ Gehörgang herauszog. Es war eine Zecke, aber anders als alle, die Sarah je gesehen hatte. Sie war blaugrau und aufgedunsen, ihre Beine zappelten noch immer kraftlos. „Es ist eine seltene Zeckenart“, erklärte der Arzt, „aber vor allem ist sie Träger eines seltenen Neurotoxins.“
Er erklärte, dass einige Zecken ein Gift in ihrem Speichel absondern, das die „Zeckenlähmung“ verursacht Das ist ein Zustand, der ein terminales neurologisches Versagen perfekt imitiert. Es beginnt an den Hinterbeinen und wandert nach oben, wo es schließlich die Lunge erreicht und Atemstillstand verursacht – genau die Symptome, die Max zeigte. Da die Zecke so tief im Gehörgang saß, war sie bei jeder Fellpflege und jeder früheren Untersuchung übersehen worden. Max starb nicht an Altersschwäche; er wurde langsam vergiftet.
Sarah spürte, wie eine Welle von Schwindelgefühlen über sie hereinbrach. Sie blickte auf die Spritze auf dem Tablett – das Medikament, das sein Leben „gnädigerweise“ beendet hätte. Wäre Dr. Aris nicht neugierig genug gewesen, oder hätte Max nicht genau im richtigen Moment gezuckt, hätte sie ihn wegen einer heilbaren Krankheit getötet. „Und was jetzt?“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme. „Ist es zu spät? Das Gift … hat es bleibende Schäden angerichtet?“