Die abschließende Bewertung
Dr. Aris kniete sich neben die beiden, seine Bewegungen waren geübt und sanft. Er eilte nicht zu den Nadeln, sondern legte eine Hand auf Max‘ Flanke und spürte das seichte Heben und Senken seines Brustkorbs. Er begann, den Vorgang zu erklären, seine Stimme war ein gleichmäßiges Dröhnen, das Sarah nur mit Mühe durch den Nebel ihrer Tränen verstehen konnte. Er sprach von Frieden, von der Abwesenheit von Schmerz und von dem „Geschenk“ eines würdigen Abgangs. Doch als sie in Max‘ trübe Augen blickte, fühlte sich Sarah wie eine Verräterin an ihrem besten Freund.
Max hatte alles mit ihr durchgestanden – die chaotische Scheidung, den Umzug quer durchs Land und die langen Nächte der Einsamkeit. Er war die einzige Konstante in einem Jahrzehnt des Umbruchs. Ihn jetzt zu sehen, wie er nicht mehr in der Lage war, allein zu stehen, wie seine Hinterbeine durch aggressive Arthritis und etwas, das die Ärzte „neurologischen Verfall“ nannten, verkümmert waren, war wie ein Autounfall in Zeitlupe. Sie nickte und gab dem Arzt das Zeichen, mit dem Beruhigungsmittel fortzufahren, das ihn vor der letzten Injektion in einen tiefen Schlaf versetzen würde.
Als der Arzt nach der Spritze griff, hielt er inne und zog die Stirn leicht in Falten. Er drückte sein Stethoskop auf Max‘ Brust und bewegte es langsam über seinen Brustkorb. Sarahs Herz hämmerte gegen ihre Rippen. War es schon zu spät? Hatte sein Herz bereits aufgegeben? Die Stille im Raum wurde immer bedrückender, nur das Ticken einer Wanduhr unterstrich sie. Dann sah Dr. Aris auf, und ein seltsamer Ausdruck ging über sein Gesicht – kein Ausdruck der Trauer, sondern der intensiven, klinischen Verwirrung.