Die Bemerkung von Frau Kline verfolgte Julie den ganzen Tag, leise, aber unerbittlich. Er war nicht einmal dramatisch gemeint – nur eine beiläufige Bemerkung am Briefkasten -, aber er ging Julie trotzdem unter die Haut. Sie lächelte über die Besorgungen und E-Mails, während derselbe Satz immer wieder auftauchte, jedes Mal schärfer.
Am Abend konnte sie das Nichtwissen nicht mehr ertragen. Sie redete sich ein, dass die Kamera nur der Sicherheit diente und dass ein kurzer Check sie beruhigen würde. Ihr Daumen schwebte über der App, zögerte und drückte dann auf Play, während sich ihr Magen zusammenzog.
Das Filmmaterial wurde geladen, und Julies Herz schlug schneller, als ihr Verstand sie einholen konnte. Irgendetwas an dem, was sie sah, stach nicht nur – es brannte. Der Kummer wurde heiß, dann wütend, bis es sich anfühlte, als würde ihr Blut kochen. Wie konnte er das tun? dachte sie.